Band III · Immobilienkauf

9x1 = Meins

Markus Beforth

„9x1 = Meins“ von Markus Beforth ist ein praxisorientierter Leitfaden für Menschen, die eine Wohnimmobilie zur Eigennutzung oder als Kapitalanlage kaufen möchten. Statt direkt mit der Immobiliensuche zu beginnen, zeigt das Buch, wie wichtig eine systematische Vorbereitung ist und zerlegt den gesamten Kaufprozess dafür in neun aufeinander aufbauende Schritte. Besonders stark beschäftigt es sich damit, die eigenen Anforderungen und finanziellen Grenzen zu kennen, vorbereitet auf Banken und Makler zuzugehen und im Kaufprozess verbindlich und professionell aufzutreten. Die zentrale Idee ist: Eine passende Immobilie findet und bekommt man weniger durch Glück als durch Vorbereitung, klare Entscheidungen und einen strukturierten Prozess.

Learnings

  • Die eigentliche Arbeit beginnt vor der Immobiliensuche. Erst festlegen, für wen, was und wo gekauft werden soll. Besonders hilfreich finde ich die Unterscheidung zwischen echten Ausschlusskriterien und Punkten, bei denen ich kompromissbereit bin. Dadurch bewertet man Angebote nach vorher festgelegten Kriterien statt nach spontaner Begeisterung.
  • „Bezahlbar“ und „finanzierbar“ sind zwei verschiedene Fragen. Nur weil eine Bank mir einen bestimmten Kaufpreis finanzieren würde, bedeutet das nicht, dass ich diesen Betrag ausgeben möchte oder sollte. Neben der mathematischen Tragbarkeit sollte ich deshalb vorher bestimmen, mit welcher Verschuldung, monatlichen Belastung und langfristigen Verpflichtung ich mich tatsächlich wohlfühle.
  • Finanzierung nicht erst klären, wenn die perfekte Immobilie gefunden wurde. Der Autor empfiehlt, bereits vor ernsthaften Besichtigungen eine belastbare Einschätzung beziehungsweise Finanzierungsbestätigung zu organisieren. Der praktische Gedanke dahinter überzeugt mich: Wenn ein gutes Objekt auftaucht, sollte die eigene Entscheidungsfähigkeit nicht davon abhängen, dass eine Bank erst mehrere Wochen mit der Prüfung beginnt.
  • Die eigene finanzielle Situation muss tatsächlich bekannt sein. Vermögensübersicht und Haushaltsrechnung sind nicht nur Unterlagen für die Bank, sondern eine Form von Selbstkontrolle. Besonders sinnvoll ist der einfache Realitätscheck des Buches: Wenn der errechnete jährliche Überschuss nicht ungefähr zum tatsächlichen Vermögenszuwachs passt, fehlen wahrscheinlich Ausgaben in der Rechnung.
  • Bei Kapitalanlagen darf die Excel-Tabelle nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Erreichbarkeit, Verwaltungsaufwand, Zeit, mögliche Probleme mit dem Objekt und das eigene Verhältnis zum Standort gehören für mich genauso in die Rechnung wie Rendite und Finanzierung. Immobilien sind nach der Argumentation des Buches gerade kein vollkommen passives Investment.
  • Im Wettbewerb um Immobilien zählt nicht nur der Kaufpreis. Verkäufer und Makler beurteilen auch, wie zuverlässig, entscheidungsfähig und unkompliziert ein Interessent erscheint. Eine klare Kaufabsicht, vorbereitete Finanzierung, schnelle Kommunikation und ein professionelles Auftreten können deshalb einen realen Vorteil gegenüber Interessenten schaffen, die vielleicht ähnlich viel bieten, aber unsicher wirken.
  • Makler nicht nur als notwendiges Hindernis betrachten. Einer der stärksten Perspektivwechsel des Buches ist für mich, die Interessen der anderen Beteiligten mitzudenken. Ein Makler möchte einen möglichst sicheren Abschluss mit möglichst wenig zusätzlichem Aufwand. Wer versteht, was die andere Seite benötigt, kann Kommunikation und Prozess entsprechend gestalten, ohne jede Situation automatisch als Gegeneinander zu betrachten.
  • Geschwindigkeit funktioniert nur, wenn vorher Klarheit geschaffen wurde. Wenn Kriterien, Finanzierung und Preisgrenzen feststehen, kann ich bei einem passenden Angebot schnell reagieren, ohne deshalb unüberlegt zu handeln. Das ist für mich einer der übertragbarsten Punkte des Buches: Gute Vorbereitung verkürzt spätere Entscheidungsprozesse erheblich.
  • Besichtigung, Kaufentscheidung und technische Prüfung sind getrennte Aufgaben. Das Buch empfiehlt, die erste Besichtigung vor allem dazu zu nutzen, zu prüfen, ob Realität und Exposé grundsätzlich zusammenpassen, während eine detaillierte Prüfung von Unterlagen und Bausubstanz anschließend erfolgt. Entscheidend ist dabei, dass diese gründliche Prüfung tatsächlich vor dem notariell bindenden Kauf abgeschlossen wird und bei Bedarf Fachleute hinzugezogen werden.
  • Vor Verhandlungen muss die eigene Obergrenze feststehen. Besonders relevant finde ich den Gedanken des „Wohlfühlpreises“: Nicht während eines emotionalen Gesprächs entscheiden, wie weit man noch gehen würde, sondern vorher. Neue Informationen können ein Angebot verändern, aber die Änderung sollte sachlich begründet sein und innerhalb einer zuvor definierten Grenze liegen.
  • Ein schlechtes Gefühl sollte nicht einfach ignoriert werden, nur weil die Zahlen stimmen. Das Buch räumt überraschend viel Raum dafür ein, rationale Prüfung und Bauchgefühl miteinander zu verbinden. Für mich bedeutet das nicht, Entscheidungen irrational zu treffen, sondern ein dauerhaftes Unbehagen als Hinweis zu betrachten, noch einmal genauer hinzusehen.
  • Eine Absage ist nicht automatisch verlorene Arbeit. Auch wenn ein bestimmtes Objekt nicht gekauft wird, bleiben Marktkenntnis, bessere Kriterien, Erfahrung mit Finanzierung und Verhandlung sowie Kontakte bestehen. Dadurch wird der nächste Durchlauf schneller und präziser.
  • Das übergeordnete Learning geht über Immobilien hinaus: Klarheit, Vorbereitung und Verbindlichkeit reduzieren Zufall. Gleichzeitig denkt der Autor stark in langfristigen Beziehungen und Win-win-Situationen statt ausschließlich im maximalen Vorteil eines einzelnen Geschäfts. Diesen Grundgedanken finde ich wesentlich wertvoller und universeller als einige der sehr taktischen Verkaufstechniken im Buch.

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